Nokias Kamera-Bolide Lumia 1020 (+ Camera Grip) im Test

 Das Lumia 1020 verspricht, eine gute Kompaktkamera sowie ein leistungsstarkes Smartphone in einem Gerät zu vereinen. Inwiefern diese Kombination gelungen ist und, ob die 41 Megapixel-Kamera hält, was sie verspricht, erfahrt ihr in den folgenden Zeilen.  Wir bedanken uns bei der WD GmbH für das Leihgerät, welches wir inklusive Camera Grip für mehrere Wochen testen durften. Für alle Freunde der technischen Daten aber erst einmal die inneren Werte:

  • 4,5 Zoll AMOLED-Display mit 1280×768 Pixeln (334 ppi)
  • Qualcomm Snapdragon S4 (Dual Core mit 1,5 GHz)
  • 2GB RAM
  • 32GB interner Speicher (nicht erweiterbar)
  • fest verbauter Akku mit 2000 mAh
  • 41 Megapixel-Kamera mit optischem Bildstabilisator
  • micro-SIM-Slot
  • NFC, LTE, WLAN a/b/g/n und Bluetooth 4.0
  • Windows Phone 8 mit Zusatzsoftware

Lieferumfang: 

Im schicken Nokia-Karton findet man neben des Smartphones die übliche Standardkost vor: USB-Netzteil, dazugehöriges Ladekabel, schicke gelbe Kopfhörer und ein paar Blättchen Papier. Auf einem dieser wird kurz auf den optischen Bildstabilisator eingegangen. Damit die micro-SIM eingesetzt werden kann, gibt es noch eine kleine Metallklammer mit Nokia-Schriftzug dazu.

Optik: Angenehm auffallend

Zum Test erhielten wir die gelbe Variante des Lumia 1020 zugesandt, welches mir optisch sowieso am besten gefällt: Im Gegensatz zur schwarzen oder weißen Variante hebt man sich hier optisch von der Konkurrenz ab und erhält einen wahren „Eyecatcher“. Von vorne sieht das Lumia 1020 aus wie ein typisches Smartphone es eben so tut: Dominiert vom 4,5 Zoll großen Display findet man hier noch eine unauffällig platzierte Lautsprechermuschel, das Nokia-Logo und die drei Windows Phone-Buttons: „Zurück“, „Home“ und dieSuch- Taste zum Öffnen der Bing-Suche.

Die Gehäusefarbe setzt auf der Front schon deutliche Akzente, da das Glas nicht die komplette Vorderseite einnimmt. An den Seiten des Geräts findet man kaum Überraschungen: Der Micro USB-Anschluss befindet sich praktischerweise auf der Unterseite, womit die meisten universalen Dockingstations auch mit dem 1020 genutzt werden können. Wer es pflegt, sein Smartphone mit einer Handschlaufe vor dem Herunterfallen zu schützen, kann diese ebenfalls unten anbringen. Alle anderen (Kunststoff-)Buttons befinden sich auf der Rechten: Neben der Lautstärkewippe und des Power-Buttons ist selbstverständlich auch ein dedizierter Kamera-Auslöser mit an Bord. Der micro-SIM-Slot öffnet sich mit dem beigelegten Tool oder wahlweise auch einer Büroklammer. DSC_0847 Die Rückseite des Geräts hebt sich alleine durch den knalligen Farbton gleich von der Smartphone-Masse ab. Neben der schwarzen Kameraerhebung als Erkennungsmerkmal des Lumia 1020 fallen die 2 Pins für das induktive Ladecover kaum auf. Der große, schwarze Vorsprung enthält hingegen die 41 Megapixel-Zeiss-Kamera, einen Nokia-Schriftzug sowie gleich 2 Beleuchtungsmittel: Die Foto-LED dient dem Autofokus als Hilfe sowie bspw. als Taschenlampe mit entsprechender App. Für das Foto selbst gibt es einen Xenon-Blitz mit besseres Ausleuchtung und höherer Reichweite.

Haptik: Handschmeichler mit Schwachpunkt

Die Kanten des 1020 sind in Richtung Rückseite zugunsten der Ergonomie komplett abgerundet – so liegt das 1020 angenehm griffig in der Hand. Einhand-Bedienung sowie ein Verstauen in der Hosentasche sind ohne Probleme möglich, was bei „nur“ 4,5 Zoll Display-Diagonale aber auch kein großes Wunder darstellt. Die Tasten an der Seite sind gut zu erreichen und haben einen angenehmen Druckpunkt. Unregelmäßige Spaltmaße waren beim Testgerät keine festzustellen, man bleibt der guten Verarbeitungsqualität der Lumia-Spitzenklasse also treu.

Die matte Oberfläche bietet einen recht guten Halt, der Kamerabuckel stellt einen guten Ansatzpunkt zum Abstützen des Geräts in der Hand mit dem Finger dar. Dieser ist gleichzeitig aber mein größter Kritikpunkt in puncto Haptik: Möchte man das Lumia auf dem Tisch oder einer anderen geraden Oberfläche ablegen, liegt es nicht plan auf. Schon durch leichte Bewegungen drehte es sich um den Bereich der Kamera, was die Bedienung nicht gerad erleichterte. Das lässt sich durch dickere Hüllen oder bspw. auch das originale Ladecover zwar teilweise beheben, zerstört aber auch teilweise die Optik. Wieso man nicht direkt kabelloses Laden mit integriert hat, ist für mich unverständlich, eine kleine Spule hätte den Vorsprung zur Kamera verkleinern können und das Cover überflüssig gemacht.

Als ein kleinerer Kritikpunkt kann auch das Gewicht gesehen werden: Das Lumia 1020 bringt knapp 160 Gramm auf die Wage und wiegt damit fast so viel wie das deutlich größere Galaxy Note 3.

wp_ss_20140417_0002Innere Werte und Performance: Auf dem Stand der Zeit

Zugegeben: Wir sind mit dem Lumia 1020-Test recht spät dran und bald dürfte Microsoft schon den Nachfolger vorstellen. Unter anderem deshalb kann das Lumia 1020 auch „nur“ mit einem Dual Core, der mit 1,5GHz taktet aufwarten, dem aber immerhin 2 GB an Arbeitsspeicher zur Seite stehen. Wie jedoch auch schon beim Lumia 925 (Testbericht hier) reicht dies nicht zuletzt dank des ressourcenschonenden Betriebssystems völlig für eine flüssige Bedienung aus: Weder auf dem Home-Bildschirm, noch in getesteten Apps kam es zu Rucklern, Websites bauten sich stets schnell auf und auch das Zoomen dort klappte ohne Verzögerungen. Selbst Spiele wie Modern Combat 4 mit optisch toller Aufmachung liefen mit angenehmen fps-Zahlen. Das 720p-Display kommt auf 334 dpi, Inhalte werden so scharf und dank AMOLED ohne Einbußen beim Schwarzwert auch schön farbenfroh dargestellt.

Der nur 2000 mAh starke Akku hinterließ gemischte Gefühle. Zwar kam ich mit diesem meistens über den Tag, der des 925 hielt gefühlt jedoch noch einige Stunden länger. Mit WLAN bis zum n-Standard, NFC, Bluetooth 4.0 und LTE sind so ziemlich alle Kommunikationsstandards mit an Bord, lediglich WLAN ac könnte man vermissen. Wem die 32GB an internem Speicher nicht genügen, muss entweder zur O2-Version mit 64GB Speicher greifen oder die Cloud nutzen, denn ein microSD-Slot ist nicht vorhanden.

Die Software ähnelt größtenteils der des Lumia 925, wer also mehr zu Windows Phone und den Nokia-Anpassungen erfahren möchten, findet Infos dazu hier. Was mich hier immer noch störte waren die häufigen Ausfälle des Microsoft App-Stores, der immer mal wieder für einige Stunden kein Herunterladen von Applikationen erlaubte.

Kamera:

Kommen wir nun zum Highlight: Der 41 Megapixel-Kamera mit dazugehöriger Software.

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Um nicht unnötig Speicherplatz zu verschwenden, bietet die Kamera-App die Option, Fotos automatisch zu skalieren und nur diese Kopie auf dem internen Speicher zu sichern. Andernfalls können von jedem Foto auch eine hoch aufgelöste sowie eine 5 Megapixel-Version gespeichert werden, wofür ich mich im Test entschied. Wieso sich das Bildformat zwischen beiden Versionen eines Fotos leicht unterscheidet, kann wohl nur Nokia selbst beantworten, mir erschließt sich der Sinn dahinter nicht.

Tagsüber macht das Lumia 1020 auch im Automatikmodus wirklich beeindruckende Fotos, wie ihr in der Bildergalerie sehen könnt. Im Vergleich mit den von anderen Smartphones haben mir die Bilder des 1020 stets am besten gefallen, wie es sich für ein wahres Kamera-Smartphone auch so gehört. Gute Arbeit, Nokia! Die manuellen Optionen sind ganz einfach über einen Wisch zu erreichen, dort können dann zum Beispiel Weißabgleich und Belichtungszeit verändert werden. Die Optik der Nokia Kamera-App gefällt mir richtig gut, der große Umfang wurde in eine intuitive und schicke App verpackt, die man so bei keinem anderen Hersteller findet.

Da das Lumia Fotos immer mit 41 Megapixeln aufnimmt und bei Bedarf nur herunterrechnet, hätten mir im Nachhinein die 5 Megapixel pro Bild bei fast a llen Aufnahmen genügt. Erst durch den hochauflösenden Sensor findet man auch in 5 Megapixel-Bildern so viele Details wieder, über die die Konkurrenz nur neidisch sein kann. Wer sein Foto nicht gerade auf einer 2 Meter-Leinwand verewigen oder auf dem 4K-Fernseher eine Diashow abhalten will, für den sollten die kleineren Fotos völlig ausreichen, es ist aber schön, sich die Möglichkeit eben doch offen zu halten. Vorausgesetzt, man hat immer bereits den richtigen Ausschnitt des Fotos einfangen können. Ist dem nicht so, können bei einem 41 MP-Bild dann immer noch nur bestimmte Ausschnitte gezeigt werden, ohne, dass der Zuschnitt dem Betrachter auffällt. Um sich von den fehlenden Details im 5MP-Modus ein Bild zu schaffen, stehen in der Galerie alle Fotos in beiden Auflösungen zur Verfügung.

Fotos können auch im RAW-Format gespeichert werden, hier kommen also noch die Vorteile der „rohen“ Daten ins Spiel wie flexiblere Nachbearbeitung der Fotos, u.a. in Bezug auf den Weißabgleich. Ob man die Bilder in voller Auflösung ebenfalls als JPEG oder im DNG-Format (Rohdaten) speichern möchte, kann ebenfalls in der Nokia-Kamera festgelegt werden. Wie fast jedes aktuelle Smartphone unterstützt auch das Lumia 1020 HDR-Aufnahmen auf Grundlage von über- und unterbelichteten Bildern. Gerade bei besonders schwierigen Lichtverhältnissen nur zu empfehlen.

refocus

Software-Spielereien wie Refocus zum nachträglichen Fokussieren eines Fotos sind auch beim 1020 mit an Bord und funktionieren einwandfrei, wie in der Animation zu sehen. So kann man noch im Nachhinein entscheiden, ob man auf den Kabelwulst im Hintergrund aufmerksam machen möchte oder lieber das Haltbarkeitsdatum der Chips-Beutel. 😉

Videos und Nachtaufnahmen:

Videoaufnahmen gelingen ebenso gut wie die Fotos, die Aufnahme von Fotos in 4K-Auflösung ist aber nicht möglich. Klar, das bringt ohne entsprechenden Fernseher oder Monitor noch nicht viel, trotzdem wäre man damit noch etwas zukunftssicherer. Das integrierte Mikrofon verrichtet zuverlässig seinen Dienst, wenn die Flugzeugaufnahmen dafür auch nicht gerade das beste Beispiel sind. Ein Testvideo haben wir für euch eingebettet, ein längeres findet sich (in Kürze) hier auf unserem YouTube-Kanal.

Der optische Bildstabilisator verrichtet zuverlässig seinen Dienst, was vor allem bei etwas dunkleren Motiven und folglich längerer Belichtungszeit positive Auswirkungen auf die Fotos hat. Bei Nachtfotos kann jedoch auch der 1/1,5 Zoll große Bildsensor des Lumia 1020 nicht zaubern: Versucht man, den ISO-Wert zu weit hochzuschrauben, beginnen die Fotos unweigerlich zu rauschen. Die originale Lichtstimmung kann aber sehr gut eingefangen werden, dass ein Smartphone kein Nachtsichtgerät ist, sollte klar sein. Wer im Dunkeln Motive ausleuchten möchte, kann immer noch auf den Xenon-Blitz zurückgreifen. Diesen habe ich wirklich lange vermisst, hier werden gleich Erinnerungen an das Sony Ericsson K800i wach – ach, habe ich den Xenon-Blitz in aktuellen Top-Smartphones vermisst… In der Dämmerung gelangen immer noch gute Aufnahmen, obwohl die Automatik-Einstellungen meiner Meinung nach nicht immer optimal gewählt waren und sich gerade hier durch Nachbessern in der App noch einiges raus holen ließ.

In Punkto Dunkelheit kommt dann auch das Zubehör ins Spiel:

Der Camera Grip

Für alle, die tatsächlich planen, ihre Kompaktkamera durch das Lumia 1020 zu ersetzen, hat Nokia den Camera Grip entworfen: Dabei handelt es sich grundsätzlich um ein Case mit eingebautem Akku und Stativgewinde.

camera grip

 

Durch die spezielle Form des Camera Grip soll das Lumia 1020 wie eine übliche Kamera in der Hand liegen: Dazu gibt es einen großen Wulst auf der im Querformat rechten Seite, in den praktischerweise gleich ein Akku eingebaut ist: Die 1200 mAh dessen sollen noch einmal für fast 300 Fotos mehr reichen, vier LEDs an der Unterseite zeigen den Akkustand des Covers an und werden mit Klick auf die Batterie-Taste aktiviert. Sobald das Lumia mit angebrachtem Case benutzt wird, beginnt das Lumia sofort, den Akku des Covers anzuzapfen. Das Lumia bleibt die ersten Stunden also bei 100% Ladung. An der Unterseite des Covers befindet sich ein microUSB-Anschluss, da der des Smartphones durch das Case benutzt wird. Über diesen ist das Laden des Lumia, des Camera Grip selbst sowie auch eine Dateiübertragung möglich.

Durch die Gummierung kann das Lumia auch mit einer Hand im Querformat gehalten werden, ohne das Gefühl zu haben, das teure Smartphone klatsche jeden Moment auf den Betonboden. Einhändiges Fotografieren ist ebenfalls möglich, dazu gibt es auch am Case einen zweistufigen Auslöse-Button: Mit leichtem Druck wird der Autofokus angesprochen, druckt man ihn etwas tiefer durch, landet der Schnappschuss im internen Speicher. Auf der Unterseite ist das Stativgewinde angebracht, womit das Lumia auf jedem üblichen Kamerastativ montiert werden kann. So steht Langzeitbelichtungen nichts mehr im Wege, leider ist die maximale Verschlusszeit jedoch auf 4 Sekunden begrenzt. Für das Lightpainting-Projekt wäre hier eine 30 Sekunden-Option auf jeden Fall toll gewesen, aber dafür muss dann doch die klassische DSLR mit Fernauslöser herhalten.

 Fazit: 

Man findet momentan wohl in keinem Smartphone eine Kamera, die an die des Lumia 1020 heranreicht. Wer also eine Kompaktkamera für unterwegs sucht, aber nicht immer zwei Geräte mit sich rum tragen möchte, für den ist das Lumia 1020 genau die richtige Wahl. Auch Display, Performance und das Äußere überzeugen, kleinere Abstriche muss man beim Akku machen: hier hätte es gerne noch etwas mehr sein können, zumal es ja als Kamera-Smartphone konzipiert ist.

Steht die Kamera in der Prioritätsliste nicht an Stelle eins und sucht man etwas Kompakteres in der Windows Phone-Welt, schaut man wohl lieber beim Lumia 930 vorbei. Andernfalls steht es einem natürlich auch frei, die Vorteile des riesigen Lumia 1520-Displays zu nutzen. Mir hat das Testen des Lumia 1020 auf jeden Fall richtig Spaß gemacht, gerne hätte ich es als kompakte Kamera für unterwegs behalten. Für mich wird zum Fotografieren so schnell kein Smartphone die DSLR (oder spiegellose Alternativen) ersetzen können. Auf den Nachfolger, der Gerüchten zu Folgen ja bald erscheinen müsste, bin ich auf jeden Fall gespannt, so ein dünneres 1020 wäre wohl sofort meins.

Bildquelle f. Camera Grip: Nokia

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